Archiv der Kategorie 'Studium (generale)'

Das KVV ist Glückssache.

„Wenn hier Magister- oder Diplomstudenten sitzen und denken, diese Veranstaltung sei dem Hauptstudium zugeordnet – die können gleich wieder gehen.“

Ich weiß ja nicht ob es am Unvermögen der Verwaltung oder an Dozent Dr.Lang, seines Zeichens Cheflobbyist bei einem Energieriesen, lag. Aber ärgerlich ist es schon, wenn man am Montag abend nochmal die gesamte Studienplanung für das Semester überdenken muss.

Nazis widerlegen

Es ist schon wieder passiert. Aufgrund meiner Tätigkeit als Auspacker bei der Lehmanns Buchhandlung komme ich des öfteren in Kontakt mit Nazischeiße in gedruckter Form. Dieses Mal handelte es sich um „Das Deutschland-Protokoll“ von einem gewissen Ralf Hill. Schon das Titelbild machte mich stutzig, also las ich mal auf dem Buchrücken nach … die übliche Leier. Deutschland ist nicht die BRD, es gibt keinen Friedensvertrag, die Alliierten bestimmen immer noch alles. Blabla, keine Frage.
Aber es bereitete mir Kopfschmerzen. (Natürlich auch der Fakt dass bei Lehmanns so ein Scheiß überhaupt verkauft wird, ich würde unseren Chef gerne drauf aufmerksam machen, aber der ist ein eher ungemütlicher Zeitgenosse und ich sehe da keinen Erfolg voraus) Ich kann diesen kruden Kram nicht aus dem Stegreif widerlegen. Also nachrecherchieren. Es gibt im Netz einen Auszug aus dem Buch, der einiges anreißt was da wohl im Folgenden kommen wird. Tut mir leid euch das zumuten zu müssen.
Also ein Gemisch aus Verschwörungstheorien, irgendwelchen Verträgen und angeblichen internationalen Bestimmungen, nach denen also unsere rote Passfarbe bedeutet, dass wir ein abhängiger Staat sind (wie u.a. dann auch die Schweiz). So weit so wirr.
Aber: Warum finde ich nirgendwo Literatur die sich mit sowas auseinandersetzt ? Warum gibt es Bücher über die „Legenden über den Nationalsozialismus“ (sehr zu empfehlen), aber nicht über die Legenden und Theorien der Neo-Faschisten ?
Und viel schlimmer: warum kann ich diese Scheiße nicht selber 100%ig widerlegen ? Sicher, ich habe im 2+4-Vertrag nachgeschaut. In Artikel 1 werden die Grenzen festgelegt (später in den Verträgen mit Polen über die Oder-Neiße-Linie bestätigt). Artikel 7 lautet:
(1) Die Französische Republik, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland und die Vereinigten Staaten von Amerika beenden hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes. Als Ergebnis werden die entsprechenden, damit zusammenhängenden vierseitigen Vereinbarungen, Beschlüsse und Praktiken beendet und alle entsprechenden Einrichtungen der Vier Mächte aufgelöst.
(2) Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten.

(Quelle)

Aber, liebe Staatsrechtler: warum steht in diesem Vertrag tatsächlich etwas von eingeschränkten Grundrechten ? Das hab ich bis jetzt nicht verstanden.

Schluss 1: Ich weiß zu wenig. Vor allem über Staatsrecht.
Schluss 2: Diese verdammten Nazis sind teilweise raffinierter als ich sie gerne hätte. Zumindest bereiten sie mit Kopfschmerzen.

Studium Generale

So lautet mein Motto für die Semesterferien. Eine Hausarbeit weniger, dafür mehr Bücher lesen und Verpasstes aufarbeiten. Mein irrwitziger Plan: Aufzeichnungen digitalisieren, um dabei vielleicht mal wieder ein paar Synapsen neu zu aktivieren. Learning by repeating, oder so. Mal schauen obs klappt. Ein paar Bücher mussten auch dran glauben. Endlich mal wieder richtig lesen.

Ronny Blaschke: Im Schatten des Spiels. Rassismus und Randale im Fußball. – Für Interessierte als Einführung ein Muss. Fortgeschrittene erfahren zwar nicht viel Neues, aber es liest sich als Art Zusammenfassung vieler Themen – Hooliganismus, Ultras, Homophobie etc. – dann doch auch gewinnbringend.
Jens Förster: Kleine Einführung ins Schubladendenken. Über Nutzen und Nachteil des Vorurteils. – Grade für Nicht-Psychologen sehr verständlich geschrieben, das ist populärwissenschaftlich im besten Sinne. Aber Vorsicht: es ist schon erschreckend, wie man sich in diesem Buch selbst erkennt/erkennen muss. Außerdem teils übertrieben autobiographisch.
Urs P.Gasche/Hanspeter Guggenbühl: Das Geschwätz vom Wachstum. – JA! Genau mein Buch. Diese beiden Schweizer bieten hier einen soliden Faktenstock, um dem nächsten JuLi-Stammtischgewürge von BWLern Paroli zu bieten. Leider hätten auch 50 Seiten ausgereicht, der Rest wird mit seichtem Gerede über die Gefahren der Moderne im Allgemeinen gefüllt.
Gerhard Henschel: Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der BILD-Zeitung. – Das ist BildBlog in besserer Form. Weil er hier die Gefährlichkeit des Tuns dieser Drecksäue mit Presseausweis noch viel umfassender behandeln kann. Weil er auch die Anfangszeit der Springer-Ausgeburt dokumentiert. Und klar macht, dass die eigentlich zu kritisierenden nicht unbedingt (aber auch, na klar) die Leser sind. Sondern die (intellektuelle, gesellschaftliche, politische) Elite, die mit diesem Furunkel am Arsch der deutschen Presselandschaft kooperiert. Die der BILD Interviews gibt, Kolumnen schreibt, sie in ihrem gewalttätigen, kriminellen Tun gewähren lässt.
Rocko Schamoni: Dorfpunks. - Eher enttäuschend. Wahrscheinlich nicht aufgrund des Buches an sich, dass sich recht gut runterliest und auch die ein oder andere gute Geschichte zu bieten hat. Eher wegen des schwelenden Vergleiches zu Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“. Das Niveau hat Schamoni hier nicht erreicht.
Walter von Rossum: Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht. – Gelungener Blick hinter die Kulissen dieser Institution, die wie soviele oft unhinterfragt bleibt. Stark von einer subjektiven politischen Position (anti-Irakkrieg, beispielsweise) gefärbt und deswegen angreifbar, die Kernthese jedoch ist richtig: dafür dass die Tagesschau als DIE Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen, als DAS Aushängeschild für öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus gilt, ist sie viel zu oberflächlich und fehlerhaft.

Hoffentlich bis zum Semesteranfang noch gelesen:

Elmar Altvater: Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen.
Golo Mann: Wallenstein.
Arthur Rosenberg: Demokratie und Sozialismus. Zur politischen Geschichte der letzten 150 Jahre.

Hoffentlich fertiggestellt:

Hausarbeit – „Ist die bolivarische Republik Venezuela autoritär?“

Die Motivation ist gering, die Aufgabe eigentlich eher eine lästige Fingerübung. Tendenz: Abgabe auf den letzten Drücker, wie immer. Dann Unzufriedenheit mit dem Geleisteten.