Alles eine Frage der Perspektive.

Der „freie“ Westen ist erregt. Da wird von einem Verstoß gegen das Völkerrecht geredet, von unangemessenem Einsatz kriegerischer Mittel, von einer unakzeptablen Provokation.
Nein, es geht nicht um die Unabhängigkeit des Kosovo oder gar den NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Der Westen vergisst schnell. Es geht um die russische Vorgehensweise in der sogenannten „Kaukasus-Krise“. Russland nimmt dort seine eigenen Interessen wahr, und dies auf eine Art und Weise, die international üblich ist und erwartbar war. Keiner der Führer des Westens ist so ehrlich, dies nüchtern und sachlich zu konstatieren. Keiner würde zugeben, was ein ähnliches Eingreifen Serbiens im Kosovo für Folgen nach sich gezogen hätte. Die Serben wussten das eh ganz genau, hatten sie es doch schon einmal am eigenen Leib erfahren müssen.
Aber so ist das in den Internationalen Beziehungen. Der kategorische Imperativ gilt nicht. Das Recht liegt immer auf der Seite der Mächtigen – siehe das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Dabei war es gerade das Ziel der amerikanischen Protagonisten der Nürnberger Prozesse, nicht den Eindruck von Siegerjustiz aufkommen zu lassen. Um die Internationalen Beziehungen auf eine solide, krisensichere Basis zu stellen, sollte man sich eben dieses Zieles entsinnen, und objektive Leitlinien für das Miteinander finden, bevor es zu einem folgenschweren Gegeneinander kommt – und um sinnloses Leid wie das der Georgier, die hilfloser Spielball zwischen NATO und Russland sind, zu ersparen.