Seemanns Braut ist die See.

Eine Brückenfahrt mit einem Touri-Dampfer ist spießig und höchst cheesy, klar. Brutal, wie mitleidig hypercoole Studenten am Ufer des Landwehrkanals den mitfahrenden Landratten zulächeln.
Aber: so ein Perpektivenwechsel kann auch interessant sein.
Was zu Fuß zur völligen Erschöpfung führen würde, kann man per Schiff äußerst bequem bekommen: einen Überblick über die Architektur und die Städteplanung im Osten und Westen der Stadt. Da steht die ehemalige Marineverwaltung des dritten Reiches unweit von modernen Stahlgerüstkonstrukten (wie so circa jedes Gebäude in Berlin, wenn man dem Moderator glauben mag, von irgendeinem unheimlich bekannten Architekten gebaut und mit Architekturpreisen nur so überhäuft) und sogenannten Lückenbauten mit neobarocken Elementen. Und wer hätte gedacht, dass auch das so oft geschmähte Neukölln so viele schönen Ecken hat ? Hochaktuell war es auch: schon wenige Meter auf der Spree reichen aus, um den Initiatoren der „Media-Spree versenken“-Initiative sämtliche Vermögenswerte überschreiben zu wollen: diese Freiräume MÜSSEN erhalten werden. Nicht nur der alternativen Kultur wegen, die in den Lücken wuchert. Sondern der Selbstherrlichkeit wegen, mit der die Investoren dort auftreten. Manifest dessen: eine ungefähr 15-20 Meter große Lücke in der East-Side-Gallery, durch die man einen unbehelligten Blick auf den Koloss namens O²-World hat. Betreiber Anschutz bestand darauf, ebenso wie auf einen eigenen Anleger an der Spree.
Gegen die Mauer helfen nur Kapitalisten – das ist dann doch tief traurig.