12 Freunde sollt ihr sein.

Optimistisch war ich nicht. Nicht nach dieser Vorbereitung, nicht nach den elenden Wochen des Wartens auf den Erlöser in Gestalt eines countryhörenden Riesen, den man in Zivil locker für einen Stellvertreter der so oft zitierten White Trash-People halten könnte. Das Quali-Turnier in Athen war stark besetzt, neben C-Klasse-Teams (Kapverdische Inseln) gab es starke B-Klasse (Brasilien, Puerto Rico, Kroatien, Slowenien) und absolute Weltklasse (Griechenland). Mittendrin ein deutsches Team, dessen Stärke schwer einzuschätzen war. Klar, ein Nowitzki in Normalform würde unumstrittener Go-to-Guy sein, aber hinter dem Rest stand ein dickes Fragezeichen. Hinter den Playmakern Hamann und Roller, die beide in knappen Situationen, vor allem in Kombination mit gegerischer Full Court Press, Turnover über Turnover produzieren. Hinter der nach dem Ausfall von Okulaja quasi verwaisten 3. Hinter Patrick Femerling, der zwar national dominierte, aber international einfach kein Faktor mehr ist. Und schließlich hinter Chris Kaman, der weder genug Zeit hatte sich an die Mannschaft und ihre Spielzüge, noch an die FIBA-Regeln sowie die FIBA-Schiris zu gewöhnen.
Betrachtet man diese Ansammlung von Problemen, ist der Erfolg gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dass Nowitzki brillierte und Kaman sofort zu einem entscheidenden Mann wurde, kann man als normal abhaken. Wie Kaman aber innerhalb der Gruppe aufgenommen wurde, wie der Rekordnationalspieler Femerling ohne zu Murren Platz auf der Bank nahm, das spricht für die gute Chemie innerhalb der Mannschaft. Wie Hamann, Roller und Greene den so oft geäußerten Vorwürfen, sie würden sich hinter Dirk Nowitzki (und neuerdings Kaman) verstecken, entgegneten, spricht für ein gutes Selbstvertrauen. Und auch Dirk Bauermann erwies sich bei diesem Turnier als über jeden Zweifel erhaben. Den mosernden Jan Jagla, der seine wenigen Einsatzchancen nicht nutzen konnte, ließ er zurecht links liegen. Sehr erfolgreich ließ er auch unkonventionelle Aufstellungen spielen (Hamann UND Roller). Er baute Spieler wie Konrad Wysocki zu soliden Rädchen in der Maschinerie auf. Nur deswegen konnte Nowitzki seinen großen Traum wahrmachen. Nur deswegen können wir uns auf Duelle gegen Spanien, Griechenland und die USA freuen. Auch wenn in Peking nicht viel zu holen sein wird – dabei sein ist bei Olympia ja bekanntlich alles.*

*Zur Beruhigung: Beim Schreiben dieser Zeilen hat das Phrasenschwein natürlich geklingelt.