Wie rettet man ein System ? Mit systemkonformen Maßnahmen. Unserem kapitalistischen Staat fällt zur Rettung des Finanzsystems folgerichtig ein, einfach noch mehr Geld in den Kreislauf zu pumpen. Zur Erinnerung: zur Krise kam es nur, weil schon viel zu viel Geld da war, ohne dass sich dafür ein realer Tauschwert gefunden hätte. Man mag einwenden, dass der Regierung nichts anderes übrig blieb, wollte sie nicht den totalen Kollaps riskieren. So richtig dies ist, ändert es nichts an der Tatsache, dass ein anderer Weg eingeschlagen werden muss, soll sich die ganze Misere nicht in ein paar Jahren wiederholen. Entgegen der Annahme etwa Peer Steinbrücks oder Volker Kauders ist es nicht etwa so, dass die Amerikaner grob fahrlässig gehandelt hätten, und unser Finanzsystem dies nun ausbaden müsse. Nein, es wurden politische Fehler gemacht. Hedge-Fonds wurden zugelassen. Der Handel mit Kreditverbriefungen nicht eingeschränkt. Steuerinseln, auf denen sich Private Equity-Firmen tummeln, sind immer noch nicht geschlossen worden. Die Bankenaufsicht ist ineffizient. All dies passt in den vielzitierten Ordnungsrahmen, den die Politik setzen muss. Tut sie dies nicht, stehen wir bald wieder hilflos da, und die nächste Billionen-Bürgschaft muss gegeben werden. Für die USA, für Deutschland und all die anderen großen Länder so gut wie kein Problem. Unwahrscheinlich, dass die BRD Staatsbankrott anmelden muss. Aber was ist mit den kleinen Volkswirtschaften, die mit Währungsspekulation zu kämpfen haben – nach Thailand (vor der Asienkrise) traf es nun Island – oder den ärmsten Ländern, deren Bevölkerung hart unter den auch durch die Geldmengensteigerung verursachten erhöhten Nahrungsmittelpreisen leidet ?
Die Rezepte sind da, nur die Umsetzung wird so gut wie unmöglich. Jeder weiß das. Der ehemalige Chef der Berliner Landesbank sagte in der ARD, dass man eigentlich jede Währung der Welt um ein Drittel abwerten müsste – in einem Ton, der deutlich machte wie unwahrscheinlich eine Umsetzung tatsächlich ist. Die Zähmung der Spekulanten, Hedgefonds und Private Equity-Firmen wird von den großen Ländern der G8 blockiert. Auf dass es bald wieder kracht.
Viel zu viele Wochen sind in der neuen Saison schon vergangen, ohne dass ich meinen höchst wichtigen Senf zu den Ereignissen rund um Alba, FC und FCH gegeben hätte. Deswegen zunächst ein kurzes Update.
Beginnen wir mit dem erfreulichsten – Alba. Eine Mannschaft mit soviel Potenzial hat Basketball-Deutschland seit dem seligen Wendell Alexis wohl nicht mehr gesehen. In der BBL wurde bisher alles locker vom Parkett geschickt – soweit, so planmäßig. Am 23.10. aber kommt mit Lottomatica Rom der erste Gegner einer Euroleague-Gruppe, die sich gewaschen hat. Fünf Siege braucht man, um weiterzukommen, so die Prognose Luka Pavicevics. Das wird eine enorm schwere Aufgabe, aber es gibt Grund zum Optimismus. Die neuen Aufbauspieler lassen es zwar (im Gegensatz zu einigen anderen im Team – siehe Jenkins und Nadjfeji) bisher an Assists mangeln, überzeugen aber in der Defensive (Hamann) und beim Scoren (Wright). Casey Jacobsen scheint abgezockt genug für einige 100%-Spiele von der Dreier-Linie, und Ansu Sesay ist ein kompletter Vierer, auf beiden Enden des Courts stark unterm Korb und gefährlich aus der Distanz. Lediglich Adam Chubb findet seine Form noch nicht, zu allem Überfluss ist Patrick Femerling noch nicht fit. In Bestbesetzung sollte das Team jedoch keine Probleme haben, den nationalen Titel zu verteidigen, und in Europa den ein oder anderen Sieg zu landen.
Ein Wort zur OZwo-World: Es ist die Halle des Teufels, ja. Essen und Trinken schweineteuer, überall sitzen Bonzen oder von Bonzen eingeladene Unwissende, die Werbung für all die tollen Events nervt schwer. Aber es steht immer noch Alba auf dem Parkett. Ich gehe ja schließlich auch noch ins Ostseestadion, obwohl es längst SchadedassdieDKBnichtpleitegegangenist-Arena heißt.
Damit kommen wir auch schon zum Sorgenkind. Mit Hansa geht es mir wie so manchem Experten mit Bayern München. Man sieht dass es nicht läuft, aber man kann sich beim besten Willen nicht erklären wieso. Ein Beispiel, das letzte Auswärtsspiel in Ingolstadt. Hansa beginnt konzentriert, agiert konsequent und geht folgerichtig nach einer Viertelstunde in Führung, nach einem sehenswert herausgespielten Treffer von Cetkovic. Unerklärlicherweise kommt es in der Folge zu einem Bruch im Spiel, trotzdem fällt der Ausgleich letztlich aus dem Nichts. Gledson sieht schließlich nach einem dummen Foul an der Außenlinie 20 Sekunden nach Anpfiff der 2.Halbzeit Gelb-Rot. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, das Spiel geht 2:4 verloren.
Völlig unnötige Gegentore und unerklärliche Nachlässigkeiten markieren in dieser Saison den Weg des FCH, genauso wie souveräne Siege (St.Pauli, Aachen) und Großtaten (Frankfurt). In der Spielanlage im Vergleich zur letzten Saison teils stark verbessert (was zum größten Teil den guten Neuverpflichtungen Retov und Schindler zu verdanken ist), steht letzten Endes viel zu wenig Zählbares, sprich Punkte. Da wünschen sich Spieler wie Fans den so oft, in diesen Tagen auch von den Bayern, beschworenen „Lauf“. Wo die dafür nötige Konstanz herkommen soll, bleibt fraglich.
Christoph Daum hofft, das Geheimnis der Konstanz gefunden zu haben. In putziger Hobbygärtner-Sprache informierte er die Öffentlichkeit, er habe das Team einfach gegossen und gegossen, bis ein zarter Spross (der Sieg gegen Schalke) sich zu einem kleinen Bäumchen (Sieg gegen die Borussia aus Ostholland) entwickelte. Getreu seinem Mantra „Ein Sieg kann Zufall sein, zwei Siege Glück, aber drei Siege sind der Lohn für harte Arbeit“ soll nun ein Heimsieg gegen Cottbus folgen. Die Chancen stehen gut, aber Vorsicht: am Lausitzer Beton haben sich schon Offensivreihen die Zähne ausgebissen, die den Namen auch verdienen. Köln jedoch erspielt sich kaum klare Torchancen, ist im Spiel nach vorne oft noch viel zu harmlos. Trotzdem kann es bei einer weiterhin guten Entwicklung der Mannschaft sein, dass eine für den gemeinen FC-Fan unvorstellbar komfortable Situation entsteht: eine Rückrunde, in der einem nicht ständig Angst und Bange wird ob der Zukunft des FC.
Thou shalt not steal if there is direct victim.
Thou shalt not worship pop idols or follow lost prophets.
Thou shalt not take the names of Johnny Cash, Joe Strummer, Johnny Hartman, Desmond Decker, Jim Morrison, Jimi Hendrix or Syd Barret in vain.
Thou shalt not think that any male over the age of 30 that plays with a child that is not their own is a peadophile… Some people are just nice.
Thou shalt not read NME.
Thall shalt not stop liking a band just because they’ve become popular.
Thou shalt not question Stephen Fry.
Thou shalt not judge a book by it’s cover.
Thou shalt not judge Lethal Weapon by Danny Glover.
Thall shalt not buy Coca-Cola products. Thou shalt not buy Nestle products.
Thou shalt not go into the woods with your boyfriend’s best friend, take drugs and cheat on him.
Thou shalt not fall in love so easily.
Thou shalt not use poetry, art or music to get into girls’ pants. Use it to get into their heads.
Thou shalt not watch Hollyoaks.
Thou shalt not attend an open mic and leave before it’s done just because you’ve finished your shitty little poem or song you self-righteous prick.
Thou shalt not return to the same club or bar week in, week out just ’cause you once saw a girl there that you fancied but you’re never gonna fucking talk to.
Thou shalt not put musicians and recording artists on ridiculous pedestals no matter how great they are or were.
The Beatles… Were just a band.
Led Zepplin… Just a band.
The Beach Boys… Just a band.
The Sex Pistols… Just a band.
The Clash… Just a band.
Crass… Just a band.
Minor Threat… Just a band.
The Cure… Just a band.
The Smiths… Just a band.
Nirvana… Just a band.
The Pixies… Just a band.
Oasis… Just a band.
Radiohead… Just a band.
Bloc Party… Just a band.
The Arctic Monkeys… Just a band.
The Next Big Thing.. JUST A BAND.
Thou shalt give equal worth to tragedies that occur in non-english speaking countries as to those that occur in english speaking countries.
Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.
Thou shalt not make repetitive generic music, thou shalt not make repetitive generic music, thou shalt not make repetitive generic music, thou shalt not make repetitive generic music.
Thou shalt not pimp my ride.
Thou shalt not scream if you wanna go faster.
Thou shalt not move to the sound of the wickedness.
Thou shalt not make some noise for Detroit.
When I say “Hey” thou shalt not say “Ho”.
When I say “Hip” thou shalt not say “Hop”.
When I say, he say, she say, we say, make some noise… kill me.
Thou shalt not quote me happy.
Thou shalt not shake it like a polaroid picture.
Thou shalt not wish you girlfriend was a freak like me.
Thou shalt spell the word “Pheonix” P-H-E-O-N-I-X not P-H-O-E-N-I-X, regardless of what the Oxford English Dictionary tells you.
Thou shalt not express your shock at the fact that Sharon got off with Bradley at the club last night by saying “Is it”.
Thou shalt think for yourselves.
And thou shalt always… Thou shalt always kill!
Der „freie“ Westen ist erregt. Da wird von einem Verstoß gegen das Völkerrecht geredet, von unangemessenem Einsatz kriegerischer Mittel, von einer unakzeptablen Provokation.
Nein, es geht nicht um die Unabhängigkeit des Kosovo oder gar den NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Der Westen vergisst schnell. Es geht um die russische Vorgehensweise in der sogenannten „Kaukasus-Krise“. Russland nimmt dort seine eigenen Interessen wahr, und dies auf eine Art und Weise, die international üblich ist und erwartbar war. Keiner der Führer des Westens ist so ehrlich, dies nüchtern und sachlich zu konstatieren. Keiner würde zugeben, was ein ähnliches Eingreifen Serbiens im Kosovo für Folgen nach sich gezogen hätte. Die Serben wussten das eh ganz genau, hatten sie es doch schon einmal am eigenen Leib erfahren müssen.
Aber so ist das in den Internationalen Beziehungen. Der kategorische Imperativ gilt nicht. Das Recht liegt immer auf der Seite der Mächtigen – siehe das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Dabei war es gerade das Ziel der amerikanischen Protagonisten der Nürnberger Prozesse, nicht den Eindruck von Siegerjustiz aufkommen zu lassen. Um die Internationalen Beziehungen auf eine solide, krisensichere Basis zu stellen, sollte man sich eben dieses Zieles entsinnen, und objektive Leitlinien für das Miteinander finden, bevor es zu einem folgenschweren Gegeneinander kommt – und um sinnloses Leid wie das der Georgier, die hilfloser Spielball zwischen NATO und Russland sind, zu ersparen.
Die Journalisten, die von der Olympiade in Beijing berichten wollen, haben keinen unbeschränkten Zugriff auf das Internet.
Drei Dinge dazu.
Erstens: Wer hätte es gedacht ?
Zweitens: Es ist dies die Verfahrensweise eines Behemoths, eines brutalen Staates, der die innerhalb seiner Grenzen Anwesenden unterdrückt und ihnen wichtige Teile ihrer Freiheit vorenthält. Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Drittens: Die Reaktion einiger Medien darauf ist mal wieder an Dummheit kaum zu überbieten. Ein Beispiel gefällig ? Am gestrigen Donnerstag, den 31.Juli 2008, heißt es in der Berliner Zeitung in einer von AFP & AP zusammengeschriebenen Meldung (leider nicht im Textrarchiv verfügbar, deswegen nicht verlinkt): „Zahlreiche Seiten mit kritischen Inhalten sind gesperrt und schränken die Berichterstattung aus China ein. Informationen über politische Vorgänge oder die Menschenrechtslage sind für die zu den Spielen erwarteten 5000 Journalisten damit kaum mehr zu recherchieren.“
Was für ein Armutszeugnis. Ohne Internet also keine Recherche ? Wie genau haben eigentlich Carl Bernstein & Bob Woodward nochmal Watergate aufgedeckt – per Satellitenbild von Google-Maps ? Genau hier manifestiert sich, was jedem aufgeklärten Beobachter der Berichterstattung über China sauer aufstoßen muss: da wird munter darauf los kritisiert, aber nur aus ein und denselben tendenziösen Quellen übernommen. Kein Wort gegen Amnesty International, aber auch deren Angaben müssen überprüft werden. Ganz zu schweigen von den Informationen, die man von so obskuren Vereinen wie der Falungong-Sekte, irgendwelchen Freunden für Tibet oder gar dem Schmunzelmonster Gyatso höchstselbst bekommt.
Und wer rettet heute die Ehre ? Die Sportredaktion der Berliner, sowieso das Glanzstück des schwer angeschlagenen Zeitungshauses. Und zwar mit dem letzten Absatz dieses Textes.
Eine Brückenfahrt mit einem Touri-Dampfer ist spießig und höchst cheesy, klar. Brutal, wie mitleidig hypercoole Studenten am Ufer des Landwehrkanals den mitfahrenden Landratten zulächeln.
Aber: so ein Perpektivenwechsel kann auch interessant sein.
Was zu Fuß zur völligen Erschöpfung führen würde, kann man per Schiff äußerst bequem bekommen: einen Überblick über die Architektur und die Städteplanung im Osten und Westen der Stadt. Da steht die ehemalige Marineverwaltung des dritten Reiches unweit von modernen Stahlgerüstkonstrukten (wie so circa jedes Gebäude in Berlin, wenn man dem Moderator glauben mag, von irgendeinem unheimlich bekannten Architekten gebaut und mit Architekturpreisen nur so überhäuft) und sogenannten Lückenbauten mit neobarocken Elementen. Und wer hätte gedacht, dass auch das so oft geschmähte Neukölln so viele schönen Ecken hat ? Hochaktuell war es auch: schon wenige Meter auf der Spree reichen aus, um den Initiatoren der „Media-Spree versenken“-Initiative sämtliche Vermögenswerte überschreiben zu wollen: diese Freiräume MÜSSEN erhalten werden. Nicht nur der alternativen Kultur wegen, die in den Lücken wuchert. Sondern der Selbstherrlichkeit wegen, mit der die Investoren dort auftreten. Manifest dessen: eine ungefähr 15-20 Meter große Lücke in der East-Side-Gallery, durch die man einen unbehelligten Blick auf den Koloss namens O²-World hat. Betreiber Anschutz bestand darauf, ebenso wie auf einen eigenen Anleger an der Spree.
Gegen die Mauer helfen nur Kapitalisten – das ist dann doch tief traurig.
Optimistisch war ich nicht. Nicht nach dieser Vorbereitung, nicht nach den elenden Wochen des Wartens auf den Erlöser in Gestalt eines countryhörenden Riesen, den man in Zivil locker für einen Stellvertreter der so oft zitierten White Trash-People halten könnte. Das Quali-Turnier in Athen war stark besetzt, neben C-Klasse-Teams (Kapverdische Inseln) gab es starke B-Klasse (Brasilien, Puerto Rico, Kroatien, Slowenien) und absolute Weltklasse (Griechenland). Mittendrin ein deutsches Team, dessen Stärke schwer einzuschätzen war. Klar, ein Nowitzki in Normalform würde unumstrittener Go-to-Guy sein, aber hinter dem Rest stand ein dickes Fragezeichen. Hinter den Playmakern Hamann und Roller, die beide in knappen Situationen, vor allem in Kombination mit gegerischer Full Court Press, Turnover über Turnover produzieren. Hinter der nach dem Ausfall von Okulaja quasi verwaisten 3. Hinter Patrick Femerling, der zwar national dominierte, aber international einfach kein Faktor mehr ist. Und schließlich hinter Chris Kaman, der weder genug Zeit hatte sich an die Mannschaft und ihre Spielzüge, noch an die FIBA-Regeln sowie die FIBA-Schiris zu gewöhnen.
Betrachtet man diese Ansammlung von Problemen, ist der Erfolg gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dass Nowitzki brillierte und Kaman sofort zu einem entscheidenden Mann wurde, kann man als normal abhaken. Wie Kaman aber innerhalb der Gruppe aufgenommen wurde, wie der Rekordnationalspieler Femerling ohne zu Murren Platz auf der Bank nahm, das spricht für die gute Chemie innerhalb der Mannschaft. Wie Hamann, Roller und Greene den so oft geäußerten Vorwürfen, sie würden sich hinter Dirk Nowitzki (und neuerdings Kaman) verstecken, entgegneten, spricht für ein gutes Selbstvertrauen. Und auch Dirk Bauermann erwies sich bei diesem Turnier als über jeden Zweifel erhaben. Den mosernden Jan Jagla, der seine wenigen Einsatzchancen nicht nutzen konnte, ließ er zurecht links liegen. Sehr erfolgreich ließ er auch unkonventionelle Aufstellungen spielen (Hamann UND Roller). Er baute Spieler wie Konrad Wysocki zu soliden Rädchen in der Maschinerie auf. Nur deswegen konnte Nowitzki seinen großen Traum wahrmachen. Nur deswegen können wir uns auf Duelle gegen Spanien, Griechenland und die USA freuen. Auch wenn in Peking nicht viel zu holen sein wird – dabei sein ist bei Olympia ja bekanntlich alles.*
*Zur Beruhigung: Beim Schreiben dieser Zeilen hat das Phrasenschwein natürlich geklingelt.
Während auf der Fanmeile die derangierte Nationalelf von pubertierenden Kreischmaschinen abgefeiert wird, ist es an der Zeit die Leistung der Nationalmannschaft einzuordnen. Vorab mal ein paar Stimmen zum Finale:
„Deutschlands bestes Argument war es, Deutschland zu sein, aber das hat nicht gereicht.“ (L‘Equipe)
„Die Spanier brauchten 20 Minuten, um ins Spiel zu kommen. Dann haben sie sich auf Kosten einer deutschen Mannschaft amüsiert, die an diesem Abend nichts in die Waagschale zu werfen hatte.“(Liberation)
„Luis Aragones ist wirklich ein Meisterwerk gelungen. Die Deutschen sind zwar sowohl vom physischen als auch vom technischen Standpunkt stärker. Die Wahrheit ist aber, dass sie niemals wirklich konkrete Chancen aufgebaut und ausgenutzt haben.“(Gazzetta dello Sport)
Ja, das ist tatsächlich die Wahrheit. Wenn man sich fragt, woran das liegt, kommt man an 2 Personen nicht vorbei: Bernd Schneider und Joachim Löw.
Schneider fehlte dem Team an allen Ecken und Enden. Sein Spielwitz, seine Routine und seine technische Sicherheit wurden schmerzlich vermisst. Und sein Fehlen führte zu einer personellen Entscheidung, die offenbarte wo die womöglich größte Schwäche liegt: im Trainerstab.
Lukas Podolski auf die linke Mittelfeldseite zu stellen, kann vielleicht in Spielen gegen klar schwächere Gegner eine Notlösung sein. An dieser Variante dauerhaft festzuhalten, war Harakiri. Nur deswegen wirkte Philipp Lahm des öfteren überfordert: er musste Abwehrarbeit für zwei verrichten, denn Podolski war dazu weder willens noch in der Lage. Warum Löw den in der letzten Saisonphase starken Tim Borowski auf der Bank versauern ließ, statt ihn diesen Part ausüben zu lassen, bleibt ein Rätsel. Und für Podolski wäre Platz geblieben, hätte der Bundestrainer aus der Vorrunde nicht den falschen Schluß gezogen, die Doppel-Sechs dauerhaft zu installieren. Im Portugal-Spiel sicherlich berechtigt und wirkungsvoll, erwies sich diese taktische Ausrichtung schon gegen die Türkei als nicht sinnvoll. Die Mitte zu stärken, über die die Türken ohnehin nicht kommen wollten (was aus der Aufstellung ersichtlich war), und die linke Seite mit ihren bekannten Schwächen zu entblößen – das passiert keinem großen Trainer. Schon hier hätte Löw auf das 4-4-2 mit hängender Spitze umstellen müssen, gerade auch um zu erreichen, was Löw selbst immer wieder propagiert: die Kontrolle über das Spiel. Die defensive Ausrichtung führte jedoch dazu, dass Klose überhaupt keine Anbindung an das Spiel fand. Aus dem Mittelfeld kamen keine nennenswerten offensiven Reize – ein Michael Ballack, als Quasi-Spielgestalter aufgestellt, schaffte es nie den Part etwa eines Xavi oder Iniesta zu spielen. Das ist auch nicht seine Stärke. Ein guter Trainer erkennt das, und stellt ihn auch dementsprechend auf. Löw sollte genau hinschauen, was Luiz Felipe Scolari nächste Saison macht.
Neben den taktischen Fehlern riefen auch die Einwechslungen Kopfschütteln hervor. David Odonkor gegen die Kroaten zu bringen, war ganz großer Humor. Was hätte der bitte gegen die starken Außenspieler ausrichten sollen ? Die gestrige Einwechslung Kevin Kuranyis war ein Zeichen der Ohnmacht. Ein grober Fehler dazu. Schließlich konnten die Zuschauer kurz vorher beobachten, wie die Spanier eventuell zu knacken wären – mit schnellen Vorstößen über die Außen. Oliver Neuville hätte die Verteidigung mit seiner Antrittsschnelligkeit und seiner Cleverness vor Probleme stellen können. Kuranyi, der nach Bällen hechtete, die nicht bei ihm ankamen, ließ nicht eine Locke von Puyol in Unordnung geraten.
Rückblickend ist es fast schon unbegreiflich, wie die deutsche Elf es wieder einmal ins Finale geschafft hat. Auf alle Fälle aber trotz Löw, nicht wegen ihm. Sicher, er ist noch jung, er wird mit der Mannschaft wachsen. Das Losglück ist uns auch in der WM-Quali hold geblieben, also werden wir 2010 nach Südafrika fahren. Ob man bei diesem Turnier dann aber so bewundernd von Löw sprechen wird, wie man es spätestens seit dieser EM etwa von Guus Hiddink tut ? Ich bezweifle es.
Alba Berlin ist deutscher Meister. Nach einer wirklich schwierigen Saison lief das Team in der wichtigen Endphase endlich rund, und schloss die Playoffs mit souveränen 9:2 Siegen als verdienter Meister ab. Nach 5 Jahren konnte Alba also wieder das große Potenzial nutzen, das dem Branchenprimus zur Verfügung steht – das gilt es jetzt auch auf die internationale Ebene zu übertragen. Vorher gilt es allerdings, sich abzeichnende Probleme offensiv anzugehen.
Mit dem Einzug in die EuroLeague ist höchstwahrscheinlich der Umzug in die O²-World nahe des Ostbahnhofes verbunden. Diese 17.000 Zuschauer fassende Arena zu füllen, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die Aussicht auf gähnende Leere und schlechte Stimmung auf den Rängen weckt jetzt schon den Unmut der Fans.
Ein ebenso heißes Eisen ist die Personalpolitik. Gerüchte um eine Verpflichtung von Steffen Hamann halten sich hartnäckig. Der Nationalspieler ist unter Berliner Fans ungefähr so beliebt wie alkoholfreies Bier, Spiele in der Max-Schmeling-Halle gerieten für Steffi immer zu Spießrutenläufen. Auch werden seine Qualitäten als Point Guard stark angezweifelt, vor allem sein Distanzwurf ist legendär schlecht.
Trotz der glücklichen Hand bei der Verpflichtung von Nadjfei und McElroy darf nicht vergessen werden, dass mit sehr schlechten Transfer wie denen von Bradley, Thompson, Stefanovic und Subotic sehr viel Geld verbrannt wurde. Das darf Alba unter keinen Umständen noch einmal passieren. Baustellen gibt es genug – es fehlen (wenn man annimmt, dass auf der 1 das Duo Hamann/Brown spielt, was bei beiden ja noch nicht sicher ist) auf jeden Fall noch ein Center, der gut genug ist in der Starting-5 zu stehen, damit der alternde Patrick Femerling entlastet werden kann. Weiterhin besteht Bedarf auf den Flügelpositionen. Ob wir Nikolic und Doijcin nächstes Jahr wiedersehen, ist unklar. Beide haben in Bestform sicherlich internationales Format, konnten diese aber nicht konstant abrufen. Nadjfei, der sicher wieder mehr auf der 4 spielen darf, wird nicht jünger. Hier muss Alba einen richtigen Kracher verpflichten. Ein Kaliber wie Jan Jagla etwa, der aber wohl nicht zu bezahlen sein dürfte, spielte der doch eine sehr gute Saison beim Uleb-Cup & Copa del Rey-Gewinner Joventut Badalona.
Trotz des Meistertitels steht Baldi & Co. also viel Arbeit ins Haus, damit die nächste Saison vielleicht noch erfolgreicher wird als 2008. Abschließend ein paar Bilder, die Herr P. von der Meisterfeier der Albatrosse schoss. Herrschaftszeiten, ist Patrick Femerling groß.

Abseits allen „Und dafür zahl‘ ich Gebühren“-Gejammers: Es war höchst erschreckend, was für ein Bild der öffentlich-rechtliche Politjournalismus da am Sonntagabend von sich abgab. Anne Will hatte zum Thema „Alles auf rot – warum nicht mit der Linken?“ geladen. Es sollte also um die Koalitionsfähigkeit der Linken, vor allem im Bund gehen. Vor allem angesichts der Stasi-Anschuldigungen gegen Gregor Gysi und der Auseinandersetzung um die eventuelle Unterstützung Gesine Schwans durch die Linke ein aktuelles Thema.(Übrigens: Findet es denn keiner komisch, dass sich die gesamte bürgerliche Mitte über eine eventuelle Unterstützung der Linken für Schwan fürchterlich aufregt, während die Stimmen der NPD für Köhler anscheinend gern genommen werden ?)
Mit Wowereit, Beckstein und Lafontaine hatte die Redaktion immerhin drei politische Schwergewichte geladen, die sich auch genüßlich, aber in weiten Teilen durchaus sachlich duellierten. In Hochform präsentierte sich der Regierende Bürgermeister, der es besonders auf den rhetorisch unterlegenen bayrischen Ministerpräsidenten abgesehen hatte. Die Einladung Wendelin von Bochs, Aufsichtsratsmitglied des saarländischen Unternehmens Villeroy & Boch, war jedoch eine Fehlkalkulation. Seine vorgesehene Rolle war klar: Ein tradionalistischer Unternehmer alter Schule („Uns gibt es jetzt seit 1748″), der die Bedenken des schaffenden Mittelstandes gegen die drohende Regierungsbeteiligung der Linken artikulieren sollte. Dass er dabei noch ein persönliches Hühnchen mit Lafontaine, den er aus dem Saarland kennt, zu rupfen hatte, gab der Veranstaltung wenigstens einen komödiantischen Touch . „Sie haben sich verändert, irgendein Teufel ist in sie gefahren“, stammelte er den sichtlich amüsierten Fraktionsvorsitzenden an. Seine halbgaren Argumente, die alle aus den düstersten Untiefen der neoliberalen Think Thanks stammen („In diesem Land wird auf hohem Niveau gejammert“ etc.pp.), waren dann aber doch extrem ärgerlich.
Gänzlich unerträglich wurde die Angelegenheit dann aber durch die neu hinzugefügte und zurecht vielkritisierte Institution der „Betroffenencouch“. Der Auftritt des gemütlichen bayrischen Gewerkschafters, der von der CSU zur Linken gewechselt ist, war langweilig und verzichtbar. Der einzige Erkenntnisgewinn war wohl der, dass man auch als hochbezahlte Moderatorin unfassbar unprofessionell vorbereitet sein kann, um das dann auch noch zu zeigen (bezugnehmend auf einen Einspieler, in dem der Gast beim Stimmenfang in Schweinfurt zu sehen ist: „Ja, sie engagieren sich ja auch, man sieht, sie helfen sogar dabei … alles mögliche auszufüllen“).
Viel schlimmer dann aber die Einladung Eva-Marie Neumanns. Bei allem Respekt für ihre persönliche Leidensgeschichte, die sie als Opfer des SED-Regimes sicher schwer gezeichnet hat. Nichts, wirklich gar nichts rechtfertigt das Wegsperren von Menschen wegen des Versuches, aus einem Land zu emigrieren. Aber: mit dem Thema des Abends hatte dies wenig bis gar nichts zu tun. Sicher, die Aufarbeitung der Verwicklung von aktuellem Personal der Linken in Verbrechen der DDR gegen ihre eigenen Bürger hat höchste Priorität – aber diese Auseinandersetzung erfolgt und ist ein ebenso schwieriger Prozess wie es die Wiedereingliederung von NS-Kollaborateuren in die demokratischen Parteien der Nachkriegs-BRD war. Von dieser Frage eine Tolerierung einer Regierungsbeteiligung der Linken abhängig zu machen, ist für mich unter Umständen sogar auch verständlich (wenn auch in den meisten Fällen in höchstem Maße heuchlerisch). Für den Fall einer Regierungsbeteiligung aber „DDR light“ zu prophezeien, ist schlichtweg absurd und schürt Vorurteile gegen eine Partei, die – wie sonst vielleicht nur die Grünen in früheren Jahren – schon eine radikale Abkehr von vielen Inhalten durchgeführt hat, um Realpolitik machen zu können. In Schwerin, in Berlin und auf kommunaler Ebene. Das nicht anzuerkennen, und die Verbrechen eines Sytems, zu dem 99% der Linken nicht zurück wollen, als Hauptargument gegen eine Regierungsbeteiligung dieser Partei zu machen, zeugt von intellektueller Armut. So platt ist ja nicht mal Günther Beckstein. Obwohl, doch. Er bemühte mal wieder Christel Wegner. Richtig, die Alte mit dem Sockenschuss. Aber um das mal klarzustellen: Ja, nach einer Revolution wäre die Einrichtung eines Geheimdienstes notwendig. Jeder Staat hat einen, sogar – Überraschung! – unsere gute BRD. Aber nein, er sollte um Himmels willen bitte nicht im Geringsten irgendetwas mit der Stasi gemein haben. Er sollte transparent sein, demokratisch legitimiert und überwacht, und überall die Menschenrechte achten. Also auch bitte nichts mit dem BND gemein haben. Aber das nur nebenbei. Für diese in verkrusteten Denkstrukturen verhaftete Frau eine ganze Partei in Sippenhaft zu nehmen, ist zumindestens problematisch. Denn das Stalinisten in der Linken keine Chance haben, sieht man schon daran, dass Sara Wagenknecht der Weg in das Präsidium mit der (absurden) Anschuldigung verwehrt wurde, sie würde sich nicht vom Stalinismus abgrenzen.
Bevor ich den roten Faden jetzt komplett verliere: Anne Will bitte absetzen. Und die Redation vor die Tür.
Nachtrag: Das sagt Spon dazu. Da fällt mir dann aber wirklich nichts mehr ein.


